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Integrale Übersetzung klassischer Theologie zu Gott, Jesus als Christus. Es fehlt die Stärke des 4. Quadranten: historische Wirklichkeit!

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Tilman Haberer – Von der Anmut der Welt; Besprechung (1)

Eine kurze, allgemeinverständliche Rezension des "Entwurfes einer integralen Theologie" von Tilman Haberer. Die ausführlichere wissenschaftliche Rezension mit Quellenangaben findest du hier. Weiterlesen bei Teil 2...

Intro: Gott - neu gedacht

"Das Reden von Gott ist problematisch geworden, alte Gottesbilder tragen nicht mehr und viele Menschen wenden sich vom Christentum ab. Dem setzt dieses Buch Neues entgegen. Auf der Grundlage der integralen Theorie Ken Wilbers u.a. und des Buches »Gott 9.0. Wohin unsere Gesellschaft spirituell wachsen wird« beschreibt Tilmann Haberer die zentralen Inhalte und Begriffe der christlichen Theologie - Gott, Christus, Mensch, Sünde, Erlösung, Auferstehung usw. - so, dass sie auch den Menschen des 21. Jahrhunderts etwas zu sagen haben." (Verlagstext)

Für alle Leserinnen und Leser von "Gott 9.0"
Provokative Denkanstöße für einen theologischen Neuaufbruch
Eine glaubwürdige Theologie für das 21. Jahrhundert

Am Ende stehen 6 exemplarische Menschen, die ein gelb-spirituelles Leben führen (in hoher Diversität der Ausgestaltung).

Kapitel 1: Theologie, ein unmögliches Geschäft - wie können wir überhaupt von Gott reden?

… allgemeine Einleitung in das Verständnis von Theologie. Nichts wirklich Neues…

Hermeneutik der Bibel mit Hilfe des 4-Quadranten-Modells (45-54)

Nachdem Haberer die Bibelverständnisse der verschiedenen Bewusstseinsräume reflektiert hat, betont er dass die postmoderne und gelbe Perspektive die Subjektivität als Maßstab für Wahrheit nimmt. Damit sei die Begründungslogik im 1. Quadranten a la Ken Wilber zu Hause. Er ergänzt, dass Austauschprozesse mit anderen Menschen intersubjektiv dazu führen, Wahrheit und Gewissheit zu stützen. Der 3. Quadrant „Intersubjektivität“ trägt den postmodernen „Erfahrungsglauben“ (alles hängt am subjektiven Glaubensakt) durch die intersubjektive Vergewisserung.

Der 4. Quadrant „Interobjektivität“ lässt uns selbstkritisch bleiben. Alle Wahrheit bleibt relational (wir sagen eher: kontextuell) statt absolut. Damit fallen wir - nach Haberer - wieder auf die Begründungslogik „Glaube ist eine höchst subjektive Entscheidung“ zurück (vgl. Luthers „sola fide“ neben „sola scriptura“).

Unser hermeneutischer Ansatz fokussiert Historie:

Bis dahin gehen wir mit unserem Ansatz gerne mit, steigern jedoch die Relativität deutlich prägnanter als Haberer, indem wir das Prinzip „Heterodoxität“ als das neue Normal einführen. Die historisch-kritische (modern/postmoderne) Perspektive überholen wir gewissermaßen selbst kontextuell durch eine historisch-narrative Lesart. Diese geht davon aus: In jeder Phase haben Menschen ihre Narrative für ihren Kontext stimmig entwickelt. Wir lesen im historisch-kritischen Abstand wie Menschen in ihrer beige-blaue Phase (die Zeit der Bibel) ihre Narrativbildung plausiblisiert haben. Dabei lesen wir im Hinblick auf die darin ausgedrückte Eschatologie radikal non-Dual, nämlich so: die nahende Zukunft (Eschaton) der Welt ist innerweltlich-politisch zu interpretieren - statt das übliche (neuplatonische?) Gegenüber von Diesseits und Jenseits weiter zu tradieren. So bekommen die Narrative ihre ursprünglich konkrete historische Aussagekraft zurück und werden nicht in eine ewig-überzeitliche theologische Aussage (für uns heutige) übersetzt.

Ich selbst würde hermeneutisch also anders als Haberer das Schwergewicht der Begründungslogik auf den 4. Quadranten setzen, da der viel plausibler für die Bibel-Autorität tragen kann als der 3. Quadranten der Intersubjektivät (die ja grundsätzlich nicht verkehrt ist!): Wenn wir die biblischen Zeugnisse mit ihrem objektiven Wahrheitsanspruch konsequent in der Vergangenheit lassen, samt ihrer eschatologischen Rahmenstory, erzeugen wir über die wissenschaftlich objektivierbaren historischen Phasen der Erfüllung der prophetischen Ansagen (dokumentiert in der Kirchengeschichte) gewissermaßen eine objektive Plausibilität für die konkreten prophetischen Erwartungen oder Ankündigungen im alten (Daniel) und neuen Testament (Jesus als innerweltlicher Apokalyptiker). Damit ist Perrimans historisch-narrative Exegese eine Fortsetzung der Albert Schweitzer-Schule (Stichwort: konsequente Eschatologie) seit 1904.

Unsere Grundkritik:Haberer bleibt bei einem a-apokalyptischen liberalen Jesusbild des 19. Jh. stehen

Haberer argumentiert in diesem ersten Kapitel vorwiegend auf Basis einer klassisch orangenen aufklärerischen (liberalen) Dogmatik(!) und überwindet z.B. den Höllenmythos nicht historisch-kritisch, sondern systematisch-theologisch mit dem Argument, Gott als einen „liebenden Gott“ stark machen zu wollen (gegen einen rachsüchtig-zornigen Gott des alten Testamentes? Das wäre eine antijüdische Auslegung!) Mit dieser Argumentation reinzeniert er leider das Gottesbild des 19. Jahrhunderts. Damit wollen wir uns heute nicht mehr zufrieden geben!
Darum lautet unser postkoloniales Motto: Der Jesus des 19. Jahrhunderts, der uns in die industriell-imperiale Ausbeutungsphase der Kolonialzeit geritten hat (sie zumindest nicht verhindert hat!), wird uns nicht aus ihr - heute in Gestalt des "Neoliberalen Geldsystems" - retten können.

Kap. 2 Von Gott und der Welt

Schöpfung 7.0 – die Evolution Gottes, Quantenmechanik und schwarze Löcher

nach der Darstellung von 

KREATIONISMUS - „Gott habe die Welt hergestellt wie ein Handwerker, macht Gott zu klein.“ und PANTHEISMUS - hier fehlt ihm die Transzendenz, eine höhere Instanz, und damit die „Hoffnung dass irgendetwas irgendwann grundlegend besser werden könnte.“ plädiert Haberer für die Paradoxie, die ihn am meisten plausibel erscheint im

PAN-ENTHEISMUS - „ die Welt ist in Gott, aber Gott ist mehr als die Welt. Oder noch etwas schärfer zugespitzt: Alles ist in Gott, aber Gott ist mehr als alles. Und das ist wieder eine der Paradoxien, die zu strahlen beginnen, wenn sich das Bewusstsein im gelben Raum nähert.“

    "Dreins" – Gott als Schöpfer, Gott als Schöpfung, Gott als Kommunikation

    Haberers Kritik der klassischen Trinitätsvorstellung führt zu dem Vorschlag: statt eins oder drei, dreins.
    Seine richtige Argumentation: Aus ORANGE gesehen „wirkt die Lehre von der Trinität damit eher wie eine Beleidigung für die Vernunft, ein ärgerlicher Ballast, ein Überbleibsel aus der blauen Ära" 80

    Richtig ist auch seine Einschätzung: GRÜN „sieht in der Trinitätslehre ein Hindernis für den Interreligiösen Dialog, insbesondere mit den anderen monotheistischen Religionen, dem Judentum und dem Islam“ 81 (siehe christlich-jüdischer Dialog)

    GELB liebt das Paradox.

    "Plötzlich beginnt die uralte Lehre wieder zu leuchten – nicht als Dogma, … sondern als wunderbar paradoxe Annäherung an eine Wirklichkeit, die sich linear-logisch nicht erfassen lässt“

    81

    Kap. 3 Jesus Christus

    Jesus, der Christus 

    In diesem Kapitel referiert Haberer die exegetische Forschungsgeschichte, die ich hier nur Stichwortartig zusammenfasse im Blick auf seine Grundannahmen der klassischen liberalen Jesusforschung.:

    • Anders geht er mit der Jesuspredigt vom REICH GOTTES um: Hier referiert er meiner Einschätzung nach richtig die … zeitgenössische jüdisch-apokalyptische Vorstellung: Gott selbst würde eingreifen und die Herrschaft auf Erden übernehmen. An diesem Tag JHWHS würden endlich die Verhältnisse zurecht gerückt werden. Messias als Krieger-König… Dann aber biegt er (gegen die Texte!) in der klassischen Weise ab zu der rein hypothetischen literarkritischen Annahme:
      „Jesus greift diese Vorstellungen und Erwartungen auf, aber er formt sie auf sehr charakteristische Weise um. Das Reich Gottes wird nicht durch Krieg und gewaltsam in Umsturz kommen, sondern leise, fast unbemerkt, aber unaufhaltsam, so wie der Weizen heranwächst oder wie aus einem kleinen Senfkorn eine große Staude wird. Ja, das Reich Gottes ist schon angebrochen.“ 121 Luk. 17, 20f /Luk 4, 18ff "HEUTE". 
    • Jesus, referiert er, wird als HEILER  oder Prophet im NT konfiguriert, aber... (und dieser move ist wieder typisch "Wort-Gottes-Theologie"!): „das Wesentliche sind seine Predigten. Seine Botschaft ist radikal, nicht nur damals, sie ist es auch noch heute. SIE lässt sich meiner Überzeugung nach in einem einzigen Gedanken wie in einem Brennglas fokussieren: im Reich Gottes wird die Trennung zwischen drinnen und draußen – der tragende Grundpfeiler der Religion im BLAUEN Bewusstseinsraum – aufgehoben.“ S. 123 (Beispiele: REIN-UNREIN, FRAUEN-MÄNNER, JUDEN-UND DIE ANDEREN, DIE GUTEN UND DIE BÖSEN, …)

    Haberers ORANGE CHRISTOLOGIE(!) skizziere ich mit dieser Zusammenfassung so: „In GELB können wir aufhören, „hinter“ dem Text nach der „eigentlichen“ Wahrheit zu suchen, nachdem, was „wirklich“ geschehen ist und was Jesus „tatsächlich“ gesagt hat. Wir können den Text als Ganzes nehmen und uns von ihm inspirieren lassen… weil er so wie er da steht, gewirkt hat.“ Soweit bezieht er sich auf die sog. Redaktionsgeschichtliche Sicht, die seit den 1985 immer mehr Gewicht bekam und ähnlich unserer "Narrative-Perspektive“ bei A. Perriman ist, der auch von der Wirkung der kanonischen Endredaktion ausgeht, dann aber anders als Haberer die Verbindung immer zur Geschichte als empirischem Grund behält. Bedeutung lässt Perriman streng in historischer (jüdischer!) Kontextualisierung entstehen. Haberer dagegen behauptet: Die biblischen Texte sind nicht wahr, weil wir ihnen »historische Faktizität« zuschreiben würden, sondern nur insofern sie »gewirkt« haben. Soweit ist vielleicht sogar mit Andrew Perriman Konsens herzustellen, der auf die endredaktionelle Ebene und Aussageabsicht der Schriften schaut (www.postost.net). Dann aber schließt Haberer die historische Dimension fast wie aus und wechselt auf eine überzeitlich-mythische Perspektive:

    »So, wie die Geschichten da stehen, haben sie Menschen berührt, verändert, getröstet, oft genug auch verstört, in die Verzweiflung getrieben und dann auch wieder aufgerichtet. Die Geschichten und die überlieferten Worte von Jesus haben archetypische Kraft, noch mehr: Sie haben mythische Kraft. Wenn wir sie als Mythos begreifen, bekommen Sie eine ganz neue Qualität von Wahrheit. Wir müssen die Bibel also mit Nichten entmythologisieren, wie Rudolf Bultmann vor 80 Jahren meinte, sondern im Gegenteil: wir begreifen ihre Wahrheit als Mythos.“

    S. 13 

    DF. MYTHOS nach Haberer: „Ein Mythos ist eine Geschichte, die historisch nicht stattgefunden hat, wie etwa die Geschichte von Adam, Eva und der Schlange im Paradies… sondern eine Geschichte, die sich täglich, damals wie heute, Hier und Jetzt ereignet.“ Mit neuer Hochachtung für den Mythos stellt er sich gegenüber der Entmythologisierung Bultmanns quasi postmodern taub, weil er den Spagat zwischen Mythischen Weltbild und moderner Weltanschauung ignoriert, indem er eine transhistorische 2. Naivität annimmt:

    „Das ist für den GELBEN Bewusstseinsraum das Entscheidende: dass die Geschichten der Bibel, die Worte, die von Jesus überliefert worden, ja auch die Sätze, die Paulus und andere in ihren Briefen formuliert haben – Dass dieseWorte Menschen heute berühren und ihr Leben zum positiven verändern können. Und wo das geschieht, da wirkt der Atem Gottes, da wirkt Gottes Geist. Insofern kann man sagen, dass die Bibel „inspiriert“ ist, d.h. Geist gewirkt. Und das ist sie, insofern sie mit der Kraft des Mythos dich und mich erreicht, dein und mein Leben erhält, unsere Gemeinschaft informiert und verändert.“

    S. 140 

    Mit dieser hermeneutischen Entscheidung bleibt nur noch die allegorische oder vielleicht genauer die symboldidaktische Auslegung sinnvoll, (die er aber nicht erwähnt) und historische Ereignisse sind da leider nur noch zufällige, austauschbare Kulissen für ewige Wahrheiten. 

    Fazit: Jesus ist gemäß er klassisch deutsch-liberalen Paulusexegese ein Prophet (anders argumentiert die engl. "New Perspective of Paul"!)

    Haberer stellt diese Auslegungstradition als wissenschaftlichen Konsens vor (vgl. als Gegenbild zu dieser Annahme meinen Aufsatz zur Diskussion der 70er!) und fasst darum zusammen:

    • Paulus interessiere sich nicht für den historischen Jesus aus Nazareth, nur für Kreuz und Auferstehung.
    • Christus gehöre eng mit Gott zusammen, wäre also Gott gleich, Phil. 2,5, Kol. 1, 15-20 (anders Perriman, siehe hier).
    • Johannes habe eine Logos Christologie, das Wort wurde Fleisch, d.h., diese ewige Welt-Vernunft, die bei Gott ist, ja: die Gott ist, wird konkret, historisch, geht ein in die physische Welt. Das lateinische Wort für „Fleischwerdung“ lautet Inkarnation. Nach der ersten Inkarnation Gottes, die Richard Rohr zufolge in der Schöpfung, mit dem Urknall stattgefunden hat, folgt nun eine zweite, spezielle Inkarnation: der göttliche Logos geht als Mensch in diese Welt ein, als der Mensch Jesus aus Nazareth.“
    • THOMASEVANGELIUM: Jesus wird hier in einigen dieser Aussprüchen als der kosmische Christus dargestellt, der Logos, der in allem zu finden ist, was ist… sehr dezidiert spricht Jesus imThomas Evangelium davon, dass das Gottes Reich bereits gegenwärtigist: „seine Jünger fragten ihn: an welchem Tag wird die Ruhe der Toten eintreten? Und an welchem Tag wird die neue Welt kommen? Er antwortete ihnen: was ihr erwartet, ist gekommen, aber ihr, ihr erkennt es nicht“ (Logion 51)“ 144

    Kritik: All diese von Haberer referierten Ergebnisse sind klassischer Ausdruck bestimmter deutschen Forschungstraditionen, integrieren aber in keiner Weise Ergebnisse aus dem (deutschen) jüdisch-christlichen Dialog der letzten 70 Jahre oder der englischen New Perspective on Paul-Fachperspektive. Andrew Perrian hat in seinem neuesten exegetischen Fachbuch zu Phil 2 ("In the Form of a God") allen oben genannten Inkarnations-Interpretationen mit guten Argumenten exegetisch widersprochen, weil die klassischen Auslegungen nicht den Texten gerecht werden. Er schlägt eine faszinierend andere Deutung vor, so dass die Texte im jüdischen Horizont ihrer Zeit sprechen können und plausibel werden ohne in Konflikt mit jüdischen Gottesvorstellungen zu geraten. 

    Was macht Haberer also, wenn er uns diese Deutungen anbietet. Er argumentiert anachronistisch, indem er die Dogmenbildung der geschichtlich gewordenen Trennung von Judentum und Christentum bis ins fünfte Jahrhundert, die zur dogmatischen Formel der „beiden Naturen“ Christi führte, heimlich schon in biblischen Zeiten voraussetzt (Stichwort "Inkarnationsgedanke"). Und diese dogmatische Reise wird rückwirkend wieder faktisch zum Schlüssel seiner Lesart. Er liest Bibel also aus spätkonzilischer Perspektive mit dem theologischen Vorverständnis „Zwei-Naturen-Dogma“. Er anerkennt die logische Paradoxie dieses Dogmas und rettet es dennoch (gerne?) mit folgendem Move:Mit der quantentheoretischen Perspektive sind die einander logisch widersprechen Aussagen als nebeneinander stehen zu lassen.(:-) Nein, so geht Bibelexegese nicht, so liest man sich dogmatische Lieblingsgedanken in die Bibelauslegung hinein.

    Der leidende Gott 159ff

    Kreuz- und Sühne-Verständnis der Evangelien: ein GELBER Versuch des "kosmischen Christusereignisses"

    „Jesus Christus, so haben wir behauptet, ist nicht das einzigartige Himmelswesen, das herab gekommen ist, um uns Menschen zu erlösen. Vielmehr gehen wir davon aus, dass in Jesus von Nazareth – wie in uns allen – der kosmische Christus zur Welt gekommen ist. Die Besonderheit liegt darin, dass der Mensch Jesus in seiner Persönlichkeit so geklärt war, dass er ein klares Bewusstsein seiner – unserer – göttlichen Natur hatte. Dieses klare Bewusstsein unterscheidet Jesus von den allermeisten anderen Menschen. Es ermöglichte ihm, in göttlicher Vollmacht zu sprechen und zu handeln.“

    Haberer S. 162

    KREUZ interpretiert Haberer ALS MYTHISCHES SYMBOL DES MITFÜHLENS GOTTES. Diese Position impliziert nach Haberer die 

    • Ablehnung des dualistischen Modells, das Prinzips „Teufel“
    • Ablehnung, dass alles Böse durch menschliche Sündhaftigkeit in die Welt gebracht sei und
    • die Erfahrung der Mystiker aller Zeiten bezeugt: „dass in göttlicher Perspektive das Leid kein Leid ist. Unser Alltagsbewusstsein mag sich dagegen sträuben, und auch mit einem gewissen Recht.“ 165

    Haberer beschließt seine Argumentation (meiner Meinung nach logisch ziemlich schwach) so: „Begreifen lässt sich das alles nicht wirklich. Das Kreuz ist und bleibt ein Mysterium. Wer behauptet, er hätte es begriffen, hat nichts begriffen.“

    Kommentar zur Christologie / Trinitäts-Theologie insgesamt

    Die Konstruktion einer letztlich mystischen Christologie (mit den großen Referenzen zu Richard Rohr und den alten Mystikern), verlässt Haberer an entscheidender Stelle mit der These, dass wir mythologisch die Bibel lesen müssten,die historische Perspektive ohne Not und ohne Begründung… Ein gutes Beispiel wie „einfach" doch der Tod Jesu historisch zu rekonstruieren wäre, wäre diese Deutung von A. Perriman.

    Die Motivation für seine Denkfigur ist sicher die moderne Frage, wie konstruieren wir denn Wahrheit aus alten historischen Texten, wenn wir das Bedürfnis verfolgen, über die historische Wahrheit zur allgemeinen gültigen (philosophischen) Wahrheit zu kommen? Das war schon Lessings Ausgangsfrage im 18. Jh. und der Startschuss zur historischen kritischen Forschung und Interpretation der Schriften. Also alles nicht neu. Nur Haberer vermeidet die historische Antwortebene und geht ohne Not auf eine allegorisch-mystische Ebene:

    Dort muss er Widersprüche, die er aber selbst vorher durch seine Vorannahmen konstruiert hat mit Paradoxien auffangen. Und in seinem mystisch-paradoxen Verständnis bleibt Haberer erstaunlich konservativ, vormodern fast, im klassischen christentümlichen Denkrahmen. Er kann nicht entschieden historisch konstruieren, weil - so meine Vermutung, der Haberer befürchtet - er dann keine Wahrheit im gewünscht überzeitlichen Sinne übrig behielte.

    Durch die Fokussierung auf die im 5.-6. Jahrhundert n. Chr. bis zum Konzil von Calcedon geprägten inkarnations-theologischen Vorstellungen, gelingt es ihm nicht eigenständige jüdische Interpretationsperspektiven der Zeit des 1. Jahrhunderts zu würdigen, die da wären:

    Aufgrund seiner hermeneutischen Entscheidung wird der „Jesus" von Haberer (sic: die klassisch antijüdisch liberale Position des 19. Jh.!) faktisch doch zum ersten Christen, der den jüdischen Glaubensrahmen verliert, radikalisiert und damit sprengt und so eben das Christentum als neue universale Religion „erfindet". Ich bin fast erschüttert. Wieso kann Haberer die Früchte des 70jährigen jüdisch-Christlichen Dialogs nicht nutzen und statt dessen auf einer solch klassisch liberalen Position argumentativ beharren? Damit wird deutlich wie deutsch-provinziell seine Perspektive ist. Im internationalen Diskurs ist mindestens

    • aber die jüdisch-christliche Diskussion dominant und 
    • die eben außer-deutsche Paulusexegese der new perspective on Paul (N.T. Wright und Co.) breit reflektiert.

    Durch seine Neo-trinitarische Interpretation der göttlichen Inkarnation in drei Stufen:

    1. mit dem Urknall inkarniert GOTT (Kosmischer Christus) in den Kosmos
    2. mit Jesus inkarniert GOTT (Kosmischer Christus) in den erleuchteten (den am meisten erleuchteten!) Menschen (hier sitzt das alte christentümlich-koloniale Verständnis, das schon Schleiermacher 1799 in seinen „Reden zur Religion“ brachte)
    3. mit dem Geist inkarniert GOTT (Kosmischer Christus) als verbundenes Prinzip (LIEBE) zwischen den Paradoxien (integrales Ziel: nonduale Weltsicht)

    Der Preis dieses Moves ist die (aus meiner Sicht unnötige, weil nicht plausibilierbare!) Aufgabe der Interobjektivität der Interpretation unserer Weltgeschichte z.B. mit Hilfe des jüdisch-messianischen Narrativs, das die historischen Entwicklungen und Folgen der prophetischen Ansagen gemäß ihres Selbstverständnisses notwendig historisch beglaubigen können muss. Sonst wären Propheten eben „false prophets“. Er springt stattdessen in einen Mythos, der sicherlich (per definitionem) überzeitlich funktioniert. Und damit ohne/jenseits historische/r Forschung zu (seiner Perspektive nach) besseren (sic!) Wahrheits- Aussagen führen soll. Wirklich?

    Diese seine mystischen Wahrheitskonstruktionen sind doch sehr gefährdet, weil sie der beliebigen Interpretation ohne jedes historisches (empirisches) Korrektiv ausgeliefert bleiben. Sie plausibilisieren rein subjektiv-innerlich, wenn es hoch kommt Inter-subjektiv in „mystischen GESINNUNGRUPPEN“. Hier fehlt hier, dass er die Stärke des vierten Quadranten, der die Quadranten 1-3 gut komplementieren könnte, nicht anwendet.

    Gerade in Zeiten, in denen wir zu lernen haben, Abstand zu nehmen von Fake News, ist eine solche empirisch-historische Korrektur für religiöse Interpretationen für mich zwingend. Ja, unaufgeräumte Mystik rangiert in der öffentlichen Wahrnehmung ansonsten (dann zu Recht!) sehr schnell auf gleicher Ebene mit Fake News, was der Glaubwürdigkeit jeder Theologie schadet und Theologie zu spekulativer „Wissenschaft" macht.

    Mit unserem Ansatz im Omegakurs, der sogenannten „historisch–narrativen Exegese“ im Sinne Andrew Perrimans, benötigen wir die mystische oder mythologische Dimension nicht, um Heilige Schriften sachgemäß zu interpretieren. Mit unserer Hermeneutik können wir stattdessen auf die historische Weiterentwicklung spiritueller Bewegungen unseren Blick richten, was Vielfalt und Realitätsbezug fördert. Obwohl durch die Spiraldynamiks-Brille solch eine Evolution spiritueller Vorstellungen und Bewegungen ja eigentlich argumentativ vorhanden ist, springt Haberer als mystischer Interpret aus einer heiligen, überzeitlichen Offenbarung direkt (ohne historische Entwicklung zu brauchen) ins Heute. Das ist ganz im Stil vormoderner Lesart: welche „überzeitlichen Wahrheiten“ lesen wir aus unseren autoritativen Texten bei allem Bewusstsein ihrer historischen Abständigkeit? Bultmann (als Kind der Moderne) wählte die Entmythologisierung, Haberer (Kind der Postmoderne) eine Remythologisierung. Wir schlagen einen 3. Weg vor.

    • Bultmann stärkte noch ORANGE und kämpfte gegen Religion als Mythologie.
    • Haberer argumentiert GELB mit einer neuen Wertschätzung von Mythologie, integriert aber ORANGE nicht.

    In dieser neo-mystischen Denkschule ist dem Christentum zufällig-historisch die einmalige(?), historisch erstaunliche(?) Offenbarung einer überzeitlichen Inkarnationsmythologie gelungen. Und die christliche Leitfigur Jesus gilt als die idealtypische mythische Verkörperung des „kosmischen Christus“. Ist die älteste Tradition göttlicher Menschwerdung nicht schon im Hinduismus überliefert?

    Zum Stichwort „KOSMISCHER CHRISTUS": dieser Begriff steht in Haberers Theologie für das Inkarnationsprinzip Gottes an sich Pate. Also entwickelt Haberer aus der BLAUEN Christentümlichen Brille und mit deren Konstruktion einer Inkarnations-Trinitätstheologie eine neue GELBE panentheistische Gottes-Idee - OHNE DIE ORANGENE PERSPEKTIVE RADIKAL ERNST ZU NEHMEN UND ZU INTEGRIEREN. Diese historischen Ergebnisse (einiger früherer deutscher Exeget:innen!) schmecken ihm theologisch so wenig, das er das Thema "Gericht Gottes" einfach preisgibt. Dabei gäbe es schmackhafte neuere internationale Angebote, die alles in eine anderen Licht erscheinen lassen würden. Schade.

    Unsere Antwort auf den mystischen Individualismus: Mit Perriman entscheiden wir uns zur Gemeinschaft gegen Individualismus (das neue TÜRKIS)

    Das anti-individualistische Anliegen hat theologisch wahrscheinlich folgende Implikationen: wir müssen neue Pluridoxien (vielleicht ein besserer Begriff als „Heterodoxien“:-) wagen und

    • die Inkarnationsperspektive als Leitvorstellung grundsätzlich aufgeben.
    • die Gottesvorstellung jüdisch-monotheistisch/transpersonal statt trinitarisch konstruieren
    • den Fokus vorrangig auf die politische (jüdisch-apokalyptische)Perspektive des Gottesvolks richten
    • also den mystisch-individualistischen Fokus gegen einen ekklesiologisch-politischen Schwerpunkt tauschen
    • wir gründen sachgemäß darum mit NuPerspective keine Gesinnungsgruppen, sondern bewußt paradox TÜRKIS „heterodox-Gruppen“ oder „pluridox-Gruppen““, die eben NICHT ihre verstärkende Funktion in intersubjektiv gestärkten Wahrheiten, sondern in intersubjektiv geförderter „Befremdung“ („bewilderness“) bei gleichzeitig guter Verankerung in historisch (intersubjektiv/interobjektiv) greifbarer Welterfahrung (als Geschichte und Materie) gemeinsam geteilter Wahrheit. Das ist die von uns geforderte Umkehr zur Erde (als Gegenmodell zur Migration ins Jenseits oder subjektivistisch-dualistische Inseits)

    Fortsetzung weiterlesen bei Teil 2...

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