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Vielschichtige Motivationen in komplexen Gemengelagen führen zum Kollaps der Systeme wie wir sie kannten / glaubten... oder zu kennen glaubten.

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Von bi-Polarität zu Multi- oder besser „Messy-Polaritäten“ der Welt

Eine Analyse der globalen politischen Entwicklungen und Konfliktlinien seit 1989.
Vlad Vexler (Exilrusse mit Zwischenstation Israel, Australien, Tonga, jetzt Philosoph & Politikanalyst in London) schärft den Blick für die Entzauberung unserer bisherigen politischen Narrative. Die unangenehme Wahrheit scheint die: Statt der neuen Mulitpolaren Weltordnungen haben wir eine fragmentierte, unübersichtliche "messy-"Polarität, also eine Weltunordnung, die Amerika, unser fast 77jähriges "verlässliches" Imperium, nicht mehr stabilisieren kann, weil es selbst (TRUMPISMUS) unberechenbar geworden ist. Wir müssen wohl die bittere Wahrheit akzeptieren: Unsere (bis sicher geglaubte) Weltordnung ist schon kollabiert.

Er kommt am Ende zu dem Schluss, dass wir unsere Hausaufgaben vor Ort machen müssen: Politisierung der Bürger:innen, Demokratisierung fördern statt über Populismus lamentieren. Dieser Auftrag ergeht gegen alle Inselflucht (das Schiff ist auf rauher See!) - auch christlicher Innerlichkeit, die auf den rettenden Heiland wartet! Negatives Beispiel kann uns die russische Bevölkerung sein, die ihren Diktator machen lässt und in das unpolitisch Private geflohen ist - bis sie dann aufwachen. Aber das haben wir Deutsche 1933-1945 auch gut geschafft.

So analysiert Vexler (auf englisch) in seinem Video die komplexe Weltlage:
(Ich habe es versucht, es unten zu transkribieren. Bei Bedarf überspringe also das Video und lies zuerst.)

Was ist anders geworden?

- Es sind mehr Spieler auf dem Feld, die gleichzeitig mehr Spiele anzetteln.
- Und die Spieler spielen in multi-Verwicklungen miteinander oder anderen gleichzeitig
- So gibt es wechselnde Allianzen, die keiner mehr voraussehen/berechnen kann

Beispiel Krieg um die Ukraine

Die Ukrainie wird zum Fokuspunkt mehrlagiger Konflikte (regional, globale Blöcke).
Scheinbar sind die Allianzen klar: Der Westen steht zu Ukraine, will dass die "besteht", "gewinnt"(?), will aber gleichzeitig nicht den Konflikt eskalieren lassen.
Der Westen will Russland verlieren sehen, aber nicht zu schrecklich...
Denn ein absolut besiegtes Russland hilft den USA nicht bei seinem imperialen Konflikt gegenüber China. Denn ein absolut geschwächtes Russland wird in die Arme Chinas getrieben.

Eine wackelige Strategie
Denn die Ukraine ist tragisches Opfer dieses Wackelkurses.
Das alles spielt in den Hamas-Israel-Konflikt hinein (Indien und China noch im Hintergrund)


Die unterschiedlichen Motivationen hinter den Konflikten

Der 1990er westliche Mythos (Übernahme des Kapitalismus führt zu Demokratisierung) ist als Täuschung entlarvt. Das dahinterstehende aufklärerische Menschenbild (der vernünftige, rationale Mensch) stürzt mit, denn offenbar werden diffuse miteinander streitende Motivationen im "vernünftigen" Menschen:
- Religion
- Mystizismus
- Ressourcen
- Territorien
- Sicherheit
Beispiel 1 ist die unkonstruktive Gewaltausbruch der Hamas in Israel: Ein Aspekt ihrer Motivation scheint der Glaube an die Transformation und Reinigung durch "erlösende Gewalt" (vgl. Walter Wink)
Beispiel 2 ist Putin: Ist sein Krieg als Reaktion auf die Nato-Ausdehnung zu deuten? Dabei scheinen innenpolitische Gründe Putin viel eher angetrieben zu haben (er agiert so, dass sein Regime überlebt) und argumentiert mystisch und imperialistisch, mit dem Ziel die (westliche) Weltordnung umzustürzen.

Eine Regelbasierte Weltordnung scheint an ihr Ende gekommen zu sein

Der russische Überfall auf die Ukraine ließe sich in dieser Logik besser so framen: Weil es keine regelbasierte Weltordnung gab, fing er den Krieg an. Statt: Mr. Putin brach die Regeln.
Und der Westen hat keine Stratgie damit umzugehen oder geschweige denn eine Russland-Politik. Russland droht dem Westen mit Nuklearvernichtung und der Westen hat keine Antwort darauf.
Wir sollten
- eine post-Putin Ordnung in Russland diskutieren. Solange das nicht passierst, spielen wir Putin in seine terroristischen Karten.
- Innenpolitisch ist der Westen zu sehr mit seinem eigenen Chaos beschäftigt, dem Abbau der Demokratie!
Darum müssen wir realistisch unsere eigenen Kräfte wahrnehmen, bevor wir nach draußen agieren können.

2024

Die US Wahl (49/51) wird - egal wer gewinnt - eine Legitimierungskrise auslösen. Damit wird das "imperium americanum" als schwach wahrgenommen und alle anderen Mächte werden das ausnutzen. Darum müssen die Hausaufgaben zu Hause gemacht werden.

  1. Unser Boot ist aus dem sicheren Hafen auf den offenen Ocean gefahren (Vertrauensverlust der Demokratischen Systeme)
  2. Was können wir tun? Klage den Populismus nicht an, sondern sieh die Probleme daneben.
    - Das Internet als unregulierte öffenliche Sphäre
    - Fluide Gesellschaften mit geschwächten sozialen Bindungen
    - Ausschluss vieler (materiell z.B.)
    - Selbstverwirklichungs-Ideologien
    Die Menschen fühlen sich verloren und verlieren das Vertrauen in alle Politik
  3. Bürger-Verantwortung heißt: Verstehe diese Komplexlage und engagiere dich als Teil einer Lösung in deiner Gesellschaft nicht nur für die Teile, die du magst, sondern übernimm auch Verantwortung für die dunklen Seiten deiner Gesellschaft, den Folgen des Kapitalismus, von dem du fröhlich profitiert hast... usw.

Als Bonustrack noch: Wie die westliche Demokratie eine neue Epoche betritt.

Ad on

Beispiel in Deutsch, wie die Multikonflikte aus Sicht der "Bundeswehr" (deutsche Perspektive) eingeschätzt wird: "Unsere Gesellschaft wehrhaft machen" ist die Perspektive von Prof. Massala, "es ist wert, diese Demokratie zu verteidigen".

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