Tilman Haberer – Von der Anmut der Welt; Besprechung (2)

Im Blick auf Menschsein und Erlösung viel Integral-theologisch Neues. Aber mit mystisch-individualistischer Schlagseite. Wir brauchen mehr Pupur!

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Dies ist der zweite Teil meiner Rezension des "Entwurfes einer integralen Theologie" von Tilman Haberer. Teil 1 der Buchbesprechung drehte sich um die klassisch-theologischen Felder, Gott, Jesus, Reich Gottes, Trinität. Mit dem Menschenbild, das dann mit der Sünden-/Erlösungsvorstellung korrespondiert, bringt er deutlich neu-spirituelle Impulse ein aus der integralen Theologie rund um Ken Wilber.

Kap. 4: Der Mensch - sich selbst ein Rätsel (und göttlich?) 

Haberer referiert als grundlegende Rahmenstory die Evolutionsbiologische Perspektive, dann nimmt er einige Deutungen auf und deutet klassische (westliche!) theologische Anthropologie dann aber um:

  • Seine Deutung des Begriffs „Gottes Ebenbild“: „Gott repräsentieren in der Welt“!
  • Haberers eigenständige Spitzenthese zur Anthropologie: Menschen tragen in sich die 2 Naturen „wir alle sind Gotteskinder und damit im tiefsten Kern unsterblich, ewig, göttlich, so wie wir allesamt sterbliche, endliche Menschen sind. ...was mich persönlich an diesen Gedanken so fasziniert, ist dies: die Vorstellung, dass wir Menschen in Gott aufgehoben, in unserem innersten Wesen göttlicher Natur sind, ist kein postmoderner, esoterische Firlefanz." 
    Haberers Belege nach seiner Bibellektüre ist der biblische Ebenbild- /Kind Gottes-Gedanken
  • Den ostkirchlichen Begriff „Theosis" nimmt er als Begründung auf - der Mensch wird Gott: „Gott wurde Mensch, damit wir Menschen erkennen können, dass wir im innersten, tiefsten Wesen von göttlicher Natur sind. Wir können Gott nicht werden, wir sind schon Gott. Und nun gilt es, hinein zu wachsen in unsere göttliche Natur.“

Kap. 5: Sünde und Erlösung - ein kosmisches Drama in mehreren Akten 

Er referiert zuerst die unterschiedlichen Sünden und Erlösungsvorstellungen der verschiedenen Farbsegmente und Bewusstseinsräume und interpretiert dann von seiner GELBEN Perspektive her den Schöpfungsmythos folgendermaßen: Gen. 3 beschreibe keinen „Sündenfall", sondern die Entdeckung des Ich-Bewusstseins, keine Strafe folge auf dem Fuße, sondern die Bewusstheit des Sterbenmüssens und des Leidens durch das erweckte Selbst-Bewusstsein der Menschheit. Seit Kant ist dieser Urmythos als die Geschichte des mündig werdenden Menschen oder des bewusst werdenden Menschen gedeutet worden.

Haberer  denke Sünde ganz integral als Problem der „Zweiheit": „Sie bezeichnet die Tatsache, dass wir Menschen nicht in der ursprünglichen Einheit leben, zumindest solange wir in dieser Welt sind. Und das ist kein moralisches Defizit. Was wäre unmoralisch daran, dass wir einatmen und ausatmen, dass wir eine rechte und eine linke Hand haben, eine rechte und eine linke Hirnhälfte? Was wäre unmoralisch daran, dass es hoch und tief gibt, heiß und kalt, männlich und weiblich, vorne und hinten, angenehm und unangenehm, lebendig und tot und, ja: Gut und böse? Gott ist das große Ganze, dass Sein selbst. Gott ist die Einheit schlecht hin, oder eigentlich die „Dreinsheit“ (siehe Teil 1).“

Die psychologische Polarität von Liebe und Angst (statt Liebe und Hass!) sie die menschliche Grundmotivation. Hier lassen sich die neurobiologischen Forschung um Klaus Grawe/ Julius Kuhl im Blick auf Annäherungs-/ Vermeidungsmuster als motivationale Muster für Verhaltenssteuerung sehr gut mit Haberers Darstellung verknüpfen. Damit ist seine Idee tatsächlich anschlussfähig an neuste Neuropsychologie.

Haberers steilste These (für die klassische theologische Dogmatik!) ist die Absage an den Erlösungsglauben: 
Christentum sei keine Erlösungsreligion. Es gehe im Gegenteil um die Bearbeitung der Entfremdung, oder positiv um das gute Leben mit der Zweiheit und „damit erledigt sich das Problem der Erlösung von selbst. Gott liebt uns, Punkt.“ ... „Es braucht keine Erlösung von seinem Zorn, denn Gott war nie zornig. Wenn Gott nicht zürnt, wenn Gott nicht straft, dann braucht Gott auch nicht dieses ganze kosmische Drama. Gott braucht nicht die stellvertretende Leistung des einen Gerechten, dass all den Sünderinnen und Sünden zugerechnet wird, obwohl sie es eigentlich nicht verdient haben. Gott muss nicht versöhnt werden, Gott war nie unversöhnt. Wozu brauchtest du noch Jesus Christus? Es braucht ihn tatsächlich nicht in dem kosmischen Erlösungsdrama, es braucht ihn nicht als Mittler zwischen Gott und den Menschen, es braucht ihn nicht als „unschuldiges Opfer Lamm, das die Sünde der Welt trägt“. Es braucht ihn nicht als Retter vor dem Zorn Gottes und vor Hölle, Tod und Teufel.“ Haberer nimmt damit die Fundamentalkritik von Klaus-Peter Jörns auf.

Haberer argumentiert etwas anders als Jörns ganz im Sinne einer integralen Neo-Gnosis: Es ginge um Erkenntniswachstum (griech: "gnosis") und pragmatische Übung (griech. "Askese") zur Veränderung der Entfremdung: „Von Bedeutung für Christen ist einzig, dass Jesus uns gezeigt hat, wie wir die Sünde, d.h. die ZWEIHEIT, die Trennung oder Separation überwinden können. Ja dass sie schon überwunden ist und wir nur in die Liebe und Gemeinschaft, die längst gestiftet ist, hinein wachsen müssen und hinein wachsen können. In diesem hinein wachsen verwirklicht sich die Erlösung, die schon längst geschehen ist. Wie wäre es, wenn wir uns sagen lassen: weißt du, du hast ein viel größeres Potenzial, dass du bisher nur in Ansätzen verwirklicht hast. Da ist noch so viel mehr Leben drin! Und ich zeige dir, wie es geht.“ Wie Klaus-Peter Jörns ist für ihn der Schlüssel seiner theologischen Ethik der Satz: Es geht um die Liebe. Wir sollen in unseren Mitmenschen genau das Ebenbild Gottes sehen, das wir selbst sind, und sie so behandeln, als wären sie Christus selbst. Sie sind es ja.“

Zum Ende des Kapitels beschreibt Haberer seine Reinkarnationsvorstellungen in Abgrenzung zur Auferstehungsvorstellung der Bibel. Die Auferstehungsvorstellung wird von Haberer zuerst einigermaßen angemessen in historischer Perspektive referiert und historisch verfremdet eingeführt. Zugleich fehlen mir aber Deutungen und Einordnung in die jüd-apokalyptische Denktradition, wie A. Perriman sie anbietet. Siehe unten in meiner Beurteilung dazu mehr. Seine Lehre vom Himmel konstruiert Haberer immer noch als christliche Auferstehungshoffnung aber die Auferstehung keiner Einzelseele(n) in der Ewigkeit, sondern als ein Aufgehen in des Gesamtbewusstsein Gottes unter Mitnahme aller möglichen Erfahrungen und Bewusstseinsentwicklungen.

Und die Kirche? Fehlanzeige! Dafür 6 Typen GELBER Spiritualität 

Haberer kann in einer integralen Theologie ohne jegliche Vorstellung von der Kirche auskommen, weil diese eigentlich theologisch keine Notwendigkeit hat (hier ist er konsequent, weil auch für eine trad. evangelische Kirchenlehre die Begründungen fehlen, die in der kath. Dogmatik vorhanden sind, z.B. Kirche als Sakrament).

In seinem Schlusskapitel arbeitet er an einer individuellen Verantwortungsethik (vorletztes im Sinne Bonhoeffers) kritisch und selbstkritisch die in der integralen Szene einseitige Verschiebung der Spannung zwischen Transformation (durch meditative Bewußtseinsarbeit) und Translation (eigentlich „Übersetzung"; Haberer meint Verkörperung in ethischer Arbeit ) auf. Mit seinem Ansatz versucht er und kann gut ohne Gefahr eines perfektionistischen Dralls in Richtung Transformations- und Meditationspraxis Christentum gestalten, erwartet sogar auch „Heiligungsarbeit“ im diakonischen Feld.

In Freiheit und Verantwortung geht es ihm wie Ken Wilber also um die integrale Lebenspraxis, die nicht nur spirituelle Entwicklung, sondern auch die anderen Perspektiven der psychischen, körperlichen, sozialen Entwicklungen im Blick behält. Damit verfolgt er eine ganzheitliche „Heiligungsarbeit" (die nicht einseitig ethisch formatiert ist). Schön.

Sein Kirchenbegriff bleibt rein funktional, Kirche ist vielleicht nützlich als eine lose Vernetzung von integralen Inseln, die integrales Leben verwirklichen helfen oder als eine integral offene Gemeindepraxis, die plural alle verschiedenen Farb-Spiritualitäten beherbergt und Ihnen Raum zum Wachsen gibt. Dabei ist es wichtig die Übergänge der verschiedenen Wachstumsschritte aus BLAU zu ORANGE und aus ORANGE zu GRÜN und von GRÜN zu GELB gut zu gestalten. Damit ist Kirche ein Übungs- oder Lernraum für integrale (gemeinschaftliche) Lebenspraxis. In seinem neusten Buch (Kirche am Ende!) versucht er die Leerstelle über Kirche nachzuholen. 

Meine kritische Würdigung aus historisch-narrativer Sicht:

Mit seiner Erlösungsvorstellung rückt er deutlich in die Nähe auch unserer (der allgemein modernen) Ablehnung des augustinisch-christentümlichen Erbsünde-Paradigmas (wir geben dem aber eine andere Begründung), zugleich konstruiert er nach meinem Eindruck aber ein zu einseitig individualistisches Menschen-Bild, und eine individualistisch fokussierte Transformationsperspektive. Hier müsste sorgfältiger und tief gehender anthropologisch, soziologisch und theologisch gearbeitet werden, um die unvermeidlich soziale Bedingtheit von Mensch deutlich zu gewichten.

Sein Sündenbegriff als Zweiheit kommt als Schlüsselbegriff direkt aus der integralen Szene. Er versucht ihn (nach meinem Eindruck) irgendwie assoziativ mit biblischen Texten zu begründen, was den Texten aber eher nicht gerecht wird. Er gibt selber zu, dass er mit Jesu Aussagen (in seiner ansonsten von ihm sehr positiv beurteilten Bergpredigt) über Gericht, Hölle und den jüdischen Tun-Ergehen-Zusammenhang nicht konform geht. Seine etwas hilflose historische Spekulation deckt seine Lesart auf: 

  • entweder hat Jesus selbst eine spirituelle Weiterentwicklung erlebt und später die reine Liebe gepredigt
  • oder hat nur didaktisch methodisch an die Vorstellungen seiner Zeitgenossen an geknüpft
  • oder (so schon die bultmannsche Literarkritik) die apokalyptischen Aussagen sind ihm literarisch durch die Gemeindetheologie in den Mund gelegt worden.

Seine Argumentation folgt insgesamt klar der klassischen liberalen Interpretation der Apokalyptik-kritischen Perspektiven seit dem 19. Jh. im neuen Testament. Hier würde die aktuelle exegetischen Diskussion im Anschluss an die apokalyptische Linie von Albert Schweitzer und Andrew Perriman als kritisches Gegenposition viel sachgerechtere (weil dem Judentum des 1. Jh. entsprechend) bessere Begründungen liefern, die historisch den Befund im NT wie hier dargestellt sachgerechter interpretieren, ohne den Umweg, literarkritischer (unbelegbarer) Hypothesen einführen zu müssen..

Redlich ist zwar, dass er diese seine Inkonsistenz ausdrücklich erwähnt, aber intellektuell und fachich befriedigend lösen kann er sie nicht. Er schließt mit: „Das neue Testament entwickelt keine detaillierte Lehre vom Leben nach dem Tod. Darin unterscheidet es sich von anderen Religionen, etwa dem tibetischen Buddhismus, … es wird gut sein, wie ein fröhliches Fest, sehr viel mehr wird nicht gesagt.“

Damit unterschlägt er alle apokalyptischen Texte bei Paulus und in der Offenbarung, die von der wichtigen ersten Auferstehung der Märtyrer zeugen und ihr sehr konkretes politisches „Mitregieren" vom Himmel her erhoffen, was ja eine irdisch-politische Deutung der jüdischen Auferstehungshoffung für Märtyrer und eine ihren Märtyrer-Tod rechtfertigende Perspektive darstellt.

Fazit: Anregende Neuinterpretation des 19. Jahrhunderts...

Das Buch ist zwar anregend für unser Transformations-Anliegen zur Entwicklung einer neuen zeitgemäßen Theologie, aber bestimmt sehr aufregend für blaue, orange, grüne Bewußtseinsräume. Dabei arbeitet er viele Themen in der Abgrenzung zum blauen Paradigma, aber auch orangen und grünen Perspektiven(!), gut auf. Gute Anknüpfungspunkte bietet er uns für einen Dialog mit uns und unseren Grundaxiome, dabei wäre die Hoffnung, dass unsere Beobachtungen biblischen Deutungen weitergehend und vertiefend sein Konzept schärfen oder korrigieren könnten. Vielleicht kommt es irgendwann zu diesem Austausch. Schön wäre es.

Hermeneutik: Innerhalb seiner eigenen hermeneutischen Annahmen bleibt ein grundlegender tiefer Widerspruch zu seinem integralen Anspruch, da er leider ORANGE (wissenschaftlich-historisch fokussierte) Hermeneutiken konsequent ausschließt. Haberers exegetischen Antworten bleiben deshalb in seiner Begründungslogik mit der Entscheidung zum Mythos statt zur historisch-narrativen Hermeneutik für mich (und sicher auch andere suchende Wissenschaftsfreund:innen) intellektuell unbefriedigend.

Ohne Not koppelt er sich von wissenschaftlichen Fragen ab, denn da geht meiner Meinung nach noch was mit besserer Plausibilitätschance für Rationalisten :-). Dabei ähnelt der hier geführte Streit dem alten philosophischen Disput zwischen Empiristen (1./3. Quadrant) und Rationalisten (2./4. Quadrant). Nur mit der zusätzlichen Hürde für heutige Rationalisten, dass die vernünftigen Begründungen selbst kontextuell bedingt sind, was den Verlust der Sicherheiten (vgl. Nietzsches „Gott ist tot“) zur Folge hat. Auf dem Meer der Unsicherheiten samt Verlust der bisher gegebenen großen Erzählungen (vgl. Lyotard) bleibt als einzige die mehrheitlich anerkannte moderne Evolutionserzählung (seit 1850, Darwin).

Folgen seiner mystisch individuellen Begründung seiner Theologie statt der rationalen Plausibilitäten unserer Gesellschaft

Eine politische Theologie beziehungsweise eine Gruppenperspektive in ausgearbeiteten Sinn (Ekklesiologie) kann er kaum entwickeln, da sie in seiner Logik nicht zwingend, sondern nur als Additiv zur allgemein individuellen GELBEN Praxis erscheint.

Ausgleichende Gerechtigkeit gibt es für ihn nur außerweltlich (in seinem neu bestimmten kollektiven „Jenseits“). Damit ist sein Ansatz nicht vor der eskapistischen Versuchung geschützt, die Erde doch mit einem quasi-dualistischen Verständnis ("böse" Materie zugunsten erlöster „Geistwelt") zu verlassen, um ins Paradox des überzeitlichen/überräumlichen „Nirwanas“ zu entfliehen? Diese Lösung scheint eigentlich doch sehr nah der klassisch-christlichen Erlösungsvorstellung eines „Himmels" zu gehen.

Der Rezensent Löhr komentiert dazu: Denn »es braucht den Blick der Liebe und das Vertrauen, dass das nicht alles ist, was wir mit unseren physischen Augen erblicken.« Um das nicht direkt als Aufruf zum Eskapismus zu verstehen, betont Haberer zwar die Verantwortung, die unsere Freiheit mit sich bringt. Freiheit und Verantwortung werden in der kapitalistischen, konsumorientierten Postmoderne immer noch vielfach falsch verstanden, weil sie ausschließlich aus neoliberaler Perspektive betrachtet werden. Für Haberer bedeutet Verantwortung »auf die eigenen Handlungen zu achten und darauf, dass ich mit meinem Handeln niemandem schade.«

Würden wir diesen Satz ernst nehmen, müssten wir umgehend damit beginnen, unsere Gesellschaft fundamental umzubauen. Denn unsere Art zu wirtschaften und zu leben schadet nicht nur diesem Planeten, sondern auch anderen Menschen, jetzt und vermehrt auch in Zukunft. Haberer plädiert somit für »ein Christentum und ein christlich geprägtes Denken, das der geistigen Wirklichkeit der Gegenwart nicht mehr nur hinterherhinkt (oder sich ängstlich dagegen abschottet), sondern das Gespräch mit dieser Wirklichkeit aufnimmt und mehr noch: diese weiter- und vorwärtsdenkt.«

Ja, vielleicht behauptet er das als sein Anliegen, aber seine theologische Konstruktion vermittelt gerade dazu nicht die nötigen, zwingenden Argumentationen (die wären gut rationalistisch), sondern überlässt es dem Gewissen des Einzelnen (individualistisch-empiristisch).

Seine Sündenlehre entwickelt Haberer (übrigens im Einklang mit unserem Versuch!) von der Güte der Welt/Menschen ausgehend - implizit eine Kritik und die Aufgabe des augustinischen „Sündenfall“-Dogmas. Auch Haberer ist sich dem "Ketzerischen" dieser These bewußt. Er scheint zugleich (mit allen liberal-Orange/grünen Interpretationen seit Kant!) gewiss, dass das Thema faktisch modern aufgeklärt ist (und keinen mehr aufregt). Es erstaunt mich dann aber, warum er das Erb-Sünden-Paradigma dennoch revitalisiert, indem er es mythisch-überzeitlich reinterpretiert. Hier ist er nicht konsistent mit seinem Anliegen. Ich plädiere dafür, dieses Erb-Sünden-Dogmar als BLAUES vormodernes PARADIGMA zu würdigen, aber doch aufzugeben, bzw. integral aufzulösen, um bessere Konzepte zu entwickeln, die den modernen gesellschaftspolitischen und sozialpsychologischen Paradigmen mit guter empirischer Grundlage entsprechend konstruiert sind (vgl. den revolutionären anthropologischen Ansatz des Niederländers und Bestsellerautors Rutger Bregman, 2019: Im Grunde gut).

Die Schwächen seines argumentativen Ansatzes haben sicher darin ihren Ursache, dass er vorsichtig an traditionellem (blauen?) Christentum anzudocken versucht, um Plausibilität für stark nachklingende Rest-BLAUE Anteile zu erzeugen. Hier arbeiten wir radikaler, weil unser Anknüpfungsbedürfnis für BLAU bis GRÜN nicht mehr vorhanden ist, sondern unsere Zielgruppe Menschen mit GELBEM Bewusstseinsraum ist.

Offene Forschungsthemen für unseren eigenen Ansatz:

Nach der Lektüre von Haberer werden auch offene Fragen zu unser eigenen Lesart deutlich. Ich liste einige auf:

  • Inkarnationsvorstellung - wie weit ist diese Figur nötig? Da sie das christentümliche Zentralmotiv der CHRISTOLOGIE zum Maß aller Theologie macht. Sichtbar wird das besonders, wenn die Formel des „kosmischen Christus" immer wieder bemüht wird. Was ändert sich, wenn wir an die Stelle eine konsequent sozial-evolutive Gottesvorstellung setzten? These: Gott ist immer ein Konstrukt einer politischen Gemeinschaft und nur als solches gemeinsam plausibilisierbar und hilfreich.
  • Anthropologie des „göttlichen Seelenkerns“: abhängig von der CHRISTOLOGIE/Erlösungslehre wird eine theologische Anthropologie entsprechend gestaltet… Geht es da z.B. mit „Spiritueller Intelligenz", dem religionspsychologischen Ansatz des deutschen Psychologie-Professors Julius Kuhl nicht wissenschaftlich konsistenter?
  • Panpsychismus: welche Funktion hat dieses Konzept als Begründungshilfe für Anthropologie Welt-/Gottesvorstellungen
  • welche Mystik können, müssen wir inkludieren? Es wird keine KOSMISCHER CHRISTUSMYSTIK sein können. Sondern z.B. eher und viel konsistenter eine lokale Naturmystik.
  • wenn der Messiaschristus mit der politischen Wende 313 n.Chr. zum Ziel gekommen ist… ist die offene Frage, wie wir nach dem Abdanken der „1000jährigen“ Christentumsphase mit Christus (in welcher Funktion nun?) postimperial weitermachen? Vielleicht reicht uns der JHWH und der sendet entweder einen neuen, zeitgemäßen Messias oder (jüdisch verstanden) einen neuen messianischen Prozess? Dann stehen wir mit dem Judentum und messianischen Islam gemeinsam hoffend und fragend da. Denkbar wäre es nun.

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