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Kirchen-, Dogmengeschichte und Klimaforschung zusammen rahmen das ganze Bild der Wirklichkeit und damit unser historisches Narrativ des Gotteswirkens

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Rom – Untergang einer Weltmacht. Das Klima war’s, die Pest & Gott?

(1455 Worte, 10 Min. Leszeit) Kirchengeschichte, Dogmengeschichte und Klimaforschung zusammenzubringen, wäre sicher eine spannende Aufgabe. Bruno Latour, der einer der einflussreichsten Philosophen der Welt hat es getan. Aktuelle archäologische Forschungen geben neue Hinweise auf bisher nicht gesehene Zusammenhänge. Ich wage (angeregt durch 2 ARTE-Filme) mal den Versuch, einige Aspekte darzustellen, die unsere historisch-narrativen Lesart der Bibel im interdisziplinären Gespräch auf dem Schirm haben sollte.

In diesem Gemisch von Faktoren auf den Makro-, Meso- und Mikrobenen vermuten wir Gottes Wirken. Das war früher so (und sollte in die Interpretation einfließen) und wird auch heute wahrscheinlich sein. Es gibt keine unmittelbare (besser noch: keine „unvermittelte“) Gotteserfahrung, sondern die Geisterfahrung (Ruach Gottes) ist immer vermittelt durch klimatologische, kulturelle und zuletzt innerpsychische Effekte. Darum gibt es die geistliche Übung in der Theologie, die „Unterscheidung der Geister“1 genannt wurde und zur differenzierten Betrachtung der Wirklichkeit einlädt.

Das Imperium unter Klima-Druck

In den ersten Jahrhunderten unserer Zeitrechnung herrschte das Römische Reich über Europa und den Mittelmeerraum. Dank neuester Erkenntnisse sind die Ursachen für den Zusammenbruch des Imperiums heute genauer bekannt: tödliche Pandemien und das Klima. Mehr als die Barbaren oder die Unfähigkeit der Kaiser brachten die Launen der Natur die größte Macht ihrer Zeit zu Fall.

Der Dokumentarfilm aus 2022 in ARTERom - Untergang einer Weltmacht behandelt den schleichenden, aber unaufhaltsamen Prozess, der letztlich zum Zusammenbruch des größten Reiches der Antike führte.

Hauptverantwortlich für den Untergang Roms sind weder die Unfähigkeit seiner Kaiser noch die Kühnheit seiner Gegner oder die Schlagkraft ihrer Heere, sondern mehrere Pandemien und eine Reihe von Klimaschocks, die das Römische Reich vom 2. Jahrhundert unserer Zeitrechnung an heimsuchten.

Neue Erkenntnisse der Wissenschaft machen diesen Prozess des Niedergangs heute besser verständlich. Drei aufeinanderfolgende Pandemien – wahrscheinlich die Pocken, ein hämorrhagisches Fieber und die Beulenpest – dezimierten Roms Bevölkerung stark und fügten Armee und Wirtschaft großen Schaden zu.

Man geht davon aus, dass Rom dreimal hintereinander ein Drittel bis die Hälfte seiner Bevölkerung verlor, was seinen Gegnern gelegen kam, um die angeschlagene Weltmacht weiter zu schwächen. In Europa, den USA und Russland versuchen Archäologen und Historiker sowie auf antike Krankheiten spezialisierte Genetiker, die Pandemien des Römischen Altertums zu identifizieren und ihre Auswirkungen auf die Bevölkerung zu ermitteln.

Neben diesen Forschungen zeigt der Dokumentarfilm die Arbeit der Dendrochronologen, die an den Jahresringen von Hölzern die Klimaschwankungen durch die Jahrhunderte hindurch ablesen: Sie entdeckten im 3. Jahrhundert in Europa und Eurasien eine plötzliche Klimastörung, aufgrund derer die landwirtschaftlichen Erträge zurückgingen. Dies habe sich gravierend auf die Ernährung der Bevölkerung ausgewirkt und sei auch verantwortlich für die Migration der Hunnen aus der Mongolei und Südsibirien nach Europa – mit der tiefgreifenden Erschütterung des Römischen Reiches als Folgeerscheinung.

Wie andere Untersuchungen zeigen, haben ungeheuer starke Vulkanausbrüche Anfang des 6. Jahrhunderts eine spektakuläre Abkühlung hervorgerufen und das Römische Reich in eine nie dagewesene Krise gestürzt. Diese spätantike kleine Eiszeit in Verbindung mit der ersten Beulenpest-Epidemie in diesem Teil der Welt soll den Versuch Roms, ein letztes Mal wieder zu erstarken, vereitelt haben.

Apokalypsen sind komplexe Systemkollapse

Wenn ich mit Andrew Perriman im ersten Buch der nuPerspektive-Reihe: „Bibel radikal neu lesen! Apokalyptisch.“ begründe, dass die christlichen Propheten mit ihrer Ankündigung einer epochalen Wende Recht bekamen. Sie formulierten in den Heiligen Schriften diese Wende in der Sprache der Apokalypse als „Weltuntergang“ – eben der Welt, wie sie bisher normal erschien. Heute sehen wir, dass die politische Wende durch unterschiedlichste Faktoren begünstigt wurde:

  • das Weltreich destabilisierte sich (lag in den letzten Zügen) nach einer jahrhundertelangen gemäßigt trockenen Warmzeit
  • eine neue, unbekannte Epidemie um 169 n. Chr. (gerade auch im Zentrum der Macht, den römischen Soldatenlagern!) grassierte
  • Feinde von außen (auch Klimaflüchtlinge!) drängten ins römische Reich
  • Der Kaiser Konstantin schaute aus nach einer Gruppe, die reichsweit sozialen Zusammenhalt bieten könnte
  • die tapferen „Märtyrer“ (christliche gewaltfreie Zeug:innen, die für ihren Glauben ihr Leben aufgaben) und der sozial-diakonische Liebesdienst der Christen für ihre Glaubensgenossinnen und darüber hinaus hatte großen Eindruck hinterlassen
  • Die bischöfliche Reichweite Struktur hatte eine interkulturelle neue Institution geschaffen, mit Anziehungs- und mit Integrationskraft

Konstantin der Große, dessen Vater Constantius I. nach dem Rücktritt von Diokletian und dessen Mitkaiser Maximian das Amt des „Senior Augustus“ im Westen übernommen hatte, wurde 306 von seinen Soldaten zum Kaiser ausgerufen, und der nun ranghöchste Kaiser Galerius erkannte ihn widerwillig als Mitherrscher an. Konstantin gab sich damit nicht zufrieden. Er beseitigte nach und nach seine Rivalen und sorgte so für die Auflösung der römischen Tetrarchie. Bereits seit 312 herrschte er im Westen und etablierte 324 die Alleinherrschaft über das gesamte Imperium. Bedeutend wurde seine Regierungszeit vor allem aus zwei Gründen: Zum einen wegen der Privilegierung des Christentums, die die konstantinische Wende einleitete, und zum anderen wegen der Gründung von Konstantinopel, das von nun an als neue Hauptstadt diente. Der Blick des Reiches wandte sich mehr und mehr gen Osten. (Wikipedia: Spätantike und römisches Reich)

So kam vieles zusammen, bis die Christen zur neuen Herrschaftselite im Reich aufstiegen, was nach 313 n. Chr. übrigens noch einen 50 Jahre langen Weg durch die Institutionen benötigte, bis die alte heidnische Priesterelite durch die christlichen „Priester“ durch Kaiser Theodosius’

I. 380 n.Chr. ersetzt wurden.

Wo und wie hat hier Gott gewirkt, das ist die theologische Frage. Es gibt keine schlichte Antwort: Das war (alles) war irgendwie Gottes Wirken. Denn die Unterscheidung zwischen Gott und seinen (in Grenzen?) eigenmächtigen Geschöpfen hat ja auch eine theologische Tradition. Bedenken wir, dass der biblische JHWH seine Karriere als „Wettergott“2 startet. Zugleich ließe sich pantheistisch sagen, dass das „Ganze“ eben Gott ist. Vgl. Gott, Gaia und eine neue Gesellschaft. Theologie anders denken mit Bruno Latour.3 Oder wer lieber panentheistisch Gott denken will4, im Rahmen einer Trinitätstheorie, möge auch dies gut begründen.

Mit einer solchen differenzierten, vielschichtigen Analyse wird deutlich, dass epochale Wenden Veränderungen auf verschiedenen Ebenen gleichzeitig benötigen oder eben einen (klimatischen) Megatrend, der alle Subtrends dann beeinflusst. Darum sollten wir mit Hilfe aller wissenschaftlichen Brillen wachsam beobachten (also nicht nur binnentheologisch oder gar biblizistisch die Welt deuten!), um unsere heutige Situation gut zu begreifen und zu gestalten, was zu gestalten geht.

Wir schlagen vor, die Kollapsologen deutlich ernster zu nehmen, um besser vorbereitet zu sein. Denn ob wir den Wettlauf gegen die menschengemachte CO₂-Emission auf unserem Globus politisch-praktisch gewinnen, ist nicht ausgemacht.

Klimawandel und die Erd- und Menschheitsgeschichte

Zusammenbrüche von Kulturen oder Imperien sind immer möglich. Weil die Erde ein dynamisches System ist, wird sich das Klima immer wieder ändern. Wenn wir unsere gesamte Erdgeschichte mal ansehen (in der Makroperspektive), gab es fünf große Klimakatastrophen, solch verheerende Klimawandel, die jeweils fast das gesamte Leben auf unserem Planeten ausgelöscht haben. Es gab in diesen Phasen immer Verlierer, die ausstarben und Gewinner, die überlebten. Und aufgrund dieser Epochenwenden gibt es den Menschen als Teil der Gruppe der Säugetiere, die überlebten (die Saurier eben nicht) … Wusstest du, dass die Erde mal ein „Schneeball“ war, völlig von Eis und Schnee bedeckt? Na, das ist lange her. Aber uns Menschen gibt es auch schon über 2 Millionen Jahr unter wechselnden Bedingungen: Eiszeiten und Warmzeiten wechselten sich ab. Jedes „Klimaereignis“ hat bisher noch dazu geführt, dass das Leben auf diesem Planeten zurückgekehrt ist. Nur, dass manche Arten eben fehlten. Um in 30 Min. einen schnellen Überblick über die Erdzeitalter und das Klima zu erhalten, sieh dir diesen ARTE-Film an: Sind Klimawandel besser als ihr Ruf?

42 - die Antwort auf fast alles: Es lässt kaum jemanden kalt: das Thema Klimawandel. Dabei sind Klimawandel wichtiger Teil der Erdentwicklung. Sie haben zu den heftigsten Massenaussterben in der Geschichte des Planeten geführt, schufen aber auch komplexes Leben und waren mitverantwortlich für die Explosion der Artenvielfalt. Klimawandel haben ein riesiges Potenzial – im Guten wie im Schlechten.

One more Thing:-) Wen es interessiert, es gibt nur eine Professorin, die auf ihrem YouTube-Kanal den irdischen Wetterbericht um das Sonnenwetter erweitert. Eine Perspektive, die wir bisher nicht auf dem Schirm hatten. Dr. Tamitha Skov ist eine neue Art von Wettervorhersagerin für unsere moderne Welt. In dem Maße, in dem wir uns auf Technologien wie unsere Mobiltelefone, GPS (GNSS) und andere Satellitendienste verlassen, werden wir anfälliger für die Auswirkungen des Weltraumwetters. Genau wie das irdische Wetter auf der Erde kann das Weltraumwetter so mild wie ein Regensturm oder so wild wie ein Hurrikan sein.

  1. Es gilt nicht nur, den „dämonischen“ Geist vom „göttlichen“ zu unterscheiden, sondern auch vom „menschlichen Geist“ und vielleicht heute deutlicher von soziologischen, kulturellen, biologischen und klimatischen Geisten, die ja das ganze Bild ausmachen 😉
  2. Bedenke seinen furiosen Auftritt am Berg Sinai mit Exodus 19, 18. „Der ganze Berg Sinai aber rauchte, weil der HERR auf den Berg herabfuhr im Feuer; und der Rauch stieg auf wie der Rauch von einem Schmelzofen und der ganze Berg bebte sehr.“
  3. Später dazu mehr in diesem Blog. Du findest die die Open-Access-Ausgabe, die publiziert wird mit Unterstützung des Schweizerischen Nationalfonds zur Förderung der wissenschaftlichen Forschung
    Bibliografische Information der Deutschen Nationalbibliothek Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet diese Publikation in der Deutschen Nationalbibliografie; detaillierte bibliografische Daten sind im Internet über http://dnb.d-nb.de abrufbar.
  4. Wie es die modernen „Kosmischen Christus“-Theologien versuchen: https://nuperspective.pubpub.org/pub/systematisch-theologisch/release/1

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